"Creative Guitar"

Vorwort der E-Gitarrenschule "Creative Guitar"

AKTUELL: Die CD zum Heft ist ab sofort erhältlich!!


"Creative Guitar" stellt eine von vielen Möglichkeiten dar, E-Gitarre spielen zu lernen. Die Lernschritte dieser Methode bauen sich aufeinander auf, so dass dieses Buch für einen kontinuierlichen Unterricht benutzt werden kann. Hierbei wurde auf umfangreichere Erklärungen zugunsten zahlreicherer Übungen und Stücke verzichtet, was ein wesentlicher Grund dafür ist, es möglichst mit einem Lehrer durchzuarbeiten.
"Creative Guitar" bietet von Anfang an Freiraum für eigene Ideen, ohne wichtige "Inputs" auszulassen. Dabei spielen stilistisch Rock- und Blues-Riffs die wesentliche Rolle. Ebenfalls wird z.B besonders auf Rhythmus- und Symmetriegefühl, horizontale Griffbrett-Orientierung und Repeating-Parts mit ihrer Darstellung wert gelegt, da diese oft unterschätzten "Basics" Bedingungen für das Band-Zusammenspiel sind. Erklärungen theoretischer Inhalte sowie Tonleitern werden hier dagegen nicht berücksichtigt, da sie für eine erfolgreiche Anfangsphase eigentlich nicht relevant sind; die Spielpraxis soll im Vordergrund stehen.
"Creative Guitar" eignet sich auch für den Einzel- und Gruppenunterricht (bis vier Schüler) an Musikschulen; da es einen "roten Faden" verfolgt, der Angebote für das Zusammenspiel und für das Üben allein beinhaltet. Für den Gruppenunterricht empfiehlt es sich, die Übungen (Riffs und Stücke) häufig unisono (alle gemeinsam) zu spielen; dies stärkt das Gruppengefühl und die Fähigkeit des Zusammenspiels.
Das Buch bietet auch dem Lehrer viele Möglichkeiten einer flexiblen Unterrichtsgestaltung: der relativ geringe Umfang an Text soll ihm Freiraum für eigene Erläuterungen geben; Teile können ausgelassen, durch eigene Übungen, eigene oder aktuell bekannte Stücke ersetzt bzw. ergänzt werden. Auch können andere Lehrbücher oder Songbooks (siehe Anhang) - soweit es bereits möglich ist - hier sinnvolle Dienste leisten. Einer indiwiduellen und kreativen Gestaltung des Lernens sollte nichts im Wege stehen.

Die Grundidee von "Creative Guitar" war die, Unterrichtsmaterial für eine Lernsituation zu schaffen, die derjenigen Situation ähnelt, in der sich die "Pioniere" der Rockgitarre vor ca. 20 - 30 Jahren befanden; durch direktes Ausprobieren, ohne viel zu üben wurde ein Ergebnis erreicht, das zum Klangideal eines gesellschaftskritischen und damit zugleich mit Protesten behafteten Aufbruchs einer neuen Generation wurde.

Bekanntlich basierte ihr Lernen dabei hauptsächlich auf autodidaktischen Fähigkeiten. Die unterschiedlichen Lernsituationen damals wie Konzertbeobachtung, spontanes "Sich-zeigen-lassen", Abhören und Nachspielen von Platten und Aufnahmen boten ihnen damals allerdings alles andere als einen wohlgeordneten, logisch aufgebauten Weg des Lernens. Jedoch war die direkte Orientierung an der Praxis ein unschätzbarer Vorteil, wie sich heute herausstellt. Denn die meisten Versuche, ein geeignetes Lernkonzept zu erstellen, gerieten später - bis auf einige wenige Ausnahmen vielleicht - zunehmend in eine theoretisch orientierte, "akademische", immer praxisfernere Unterweisungs-Form, deren didaktische Ordnungsprinzipien meist das Wichtigste zu sein schienen. Der eigentliche Spaß am Spielen rutschte dabei zugunsten eines auf Disziplin ausgerichteten Lernverhaltens fast in den Hintergrund. Viele Gitarristen, deren Ausbildung weitgehend auf solchen Lernkonzepten beruht, lassen - zur eigenen Unzufriedenheit - einen individuellen Stil, d.h. eine Spielart, die sie von anderen Gitarristen unterscheidet, vermissen. Eine der konkreten Ursachen hierfür ist sicherlich z.B. die Tatsache, dass viele von ihnen ihre überwiegende Übezeit damit verbringen, Stücke bzw. Solos ihrer Vorbilder zu kopieren als sich den eigenen Ideen zu widmen. Natürlich ist das Nachspielen unentbehrlich - es sollte nur nicht überwiegen. Nur ein Lernkonzept, das Spaß, verschiedene Wege und darüber hinaus Selbständigkeit ermöglicht, kann ein hohes Spielniveau forcieren.

Ich möchte an dieser Stelle all meinen Schülern danken, deren Fragen, Gedanken und Probleme mich veranlaßt haben, dieses Buch zu schreiben. Ebenfalls danke ich vielen Kollegen - insbesondere den Teilnehmern meiner Fortbildungskurse an der Akademie Remscheid - für die fruchtbaren Diskussionen, die mich jedesmal sehr inspirierten.

Mai 1999, Jörn Michael Borner